Der Schüler der Hüterin

Nehrina erwachte mit einem wohligen Gefühl in der Magengegend. Die Schrecken der vergangenen Nacht schienen keine Spuren hinterlassen zu haben. Als sie aufstand, wurde ihr Irrglaube hart bestraft, als der Schmerz durch ihren Körper fuhr. Zwischen beanspruchten Muskeln und Prellungen gab es keine Körperstelle, die nicht bei jeder Bewegung vor Schmerzen aufschrie. Stöhnend lehnte sich Nehrina an die Scheunenwand. Mit einem leicht gequälten Ausdruck schleppte sie sich nach draußen. Die Sonne war gerade erst aufgegangen. Moraskas war bereits bei der Arbeit und fütterte die Tiere. Nehrina ging langsam auf ihn zu. “Das was letzte Nacht geschehen ist…”, begann sie doch ihr Vater winkte ab. “Jetzt nicht. Wir sprechen später” Er nahm die leeren Futtereimer und ließ Nehrina stehen ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen. Das wohlige Gefühl in ihr wurde kleiner und war nur noch ein kleiner Funke. Sie wollte ihm nachgehen, doch sie wusste, dass ihr Vater stur sein konnte und versuchte es erst gar nicht. Sie wollte ihm die Zeit geben und in einem ruhigen Moment mit ihm sprechen. Seufzend nahm sie sich eine Mistgabel aus der Scheune und begann die Ställe auszumisten. Heute lag ihr kein Lied auf den Lippen, die Situation war zu verwirrend für sie. Lustlos stocherte sie im Heu herum, als plötzlich leuchtende Pilze aus dem Boden wuchsen. Überrascht schrie Nehrina auf und wich zurück. Lautstark fiel die Mistgabel zu Boden. Ein Lachen ertönte und J’aque trat in den Stall. “Hat sich das Kätzchen erschreckt?” Er lachte erneut. “Stört diese nicht bei ihrer Arbeit!” Sie hob die Mistgabel wieder auf, wandte sich jedoch nicht zum Heu, sondern starrte J’aque unverwandt an. “Wie habt Ihr das gemacht?”, fragte sie langsam, bemüht die Neugierde nicht aus ihren Worten sprechen zu lassen. J’aque lächelte und ließ die Antwort nicht lange auf sich warten. Mit einer Handbewegung rief er sie und die magische Natur schien ihn zu hören. Die Pilze schossen unter Nehrina aus dem Boden. Von ihnen schien eine Art wohltuende Energie auszugehen, die in ihr das Gefühl von Stärke hervorrief. “Wundervoll”, staunte sie mit großen Augen. J’aque streckte die Hände erneut aus und diesmal erschien eine magische Blumenwiese. Begeistert klatschte Nehrina in die Hände. “Woher könnt Ihr das?” Aufgeregt beobachtete sie, wie die Erscheinungen wieder verschwanden. “Dieser lernt im Moment ein paar neue Fähigkeiten, die er auf seinen Reisen und vor allem im Kampf einsetzen kann.” Nehrina betrachtete J’aque. Er trug seine alte Kleidung nicht mehr. Stattdessen war sein Körper in eine Rüstung aus Stahlplatten gehüllt, die ihm so gut passte, als wäre sie eigens für ihn angefertigt worden. In seiner neuen Montur sah er mehr als nur abenteuerlich aus. Das Großschwert schien nun deutlich besser zu ihm zu passen als noch in der Nacht zuvor. Zu Nehrinas Überraschung waren an ihm keine Kampfspuren zu sehen. “Wie können Pilze kämpfen?” J’aque lachte wieder. Er wirkte etwas offener als bei ihrer ersten Begegnung. “Das waren Heilfähigkeiten. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten diese Magie zu nutzen.” Nehrina lehnte die Mistgabel an die Wand. “Diese möchte es sehen.”, forderte sie, doch J’aque schüttelte den Kopf. “So weit ist dieser nicht. Er hat noch viel zu lernen bis er ein guter Hüter ist.” Nehrina stemmte die Hände in die Hüften. “Also nur ein Grünschnabel der Eindruck schinden will.” Sie grinste neckend. J’aque wurde plötzlich ernst und sein Lächeln verschwand. “Nein. Dieser ist eigentlich gekommen, um sich für letzte Nacht zu entschuldigen. Für die … Unannehmlichkeiten” Etwas beschämt wandte er den Blick von ihr ab. Nehrina schwieg. “Dieser würde es gerne in Ordnung bringen.”, fuhr er fort, “Vielleicht möchte Nehrina mit ihm… spazieren gehen, ja? Wir werden diesmal in keine Schwierigkeiten geraten, versprochen.  Dieser möchte nicht, dass Ihr einen Groll gegen ihn hegt.” Nehrina zuckte mit den Ohren. “Diese kann nicht”, sagte sie langsam. J’aques Blick fiel auf die Mistgabel und sein Blick verfinsterte sich. Er sah Nehrina eindringlich an. “Das Leben einer Sklavin steht Euch nicht. Ihr seid so viel mehr als das.” Wieder schwieg Nehrina. J’aque’s Blick wurde unergründlich und er ging hinaus. Eine unerträglich lange Zeit blieb sie dort stehen und schaute unglücklich zu Boden.Selten kam sie sich wie eine Sklavin vor. Sie wurde auf dem Hof nicht schlecht behandelt. Doch letztendlich konnte die Behandlung auch nichts daran ändern, dass sie nicht frei war. Die Mistgabel schon längst vergessen setzte sich Nehrina auf den Boden und starrte zur Decke hinauf. Es hatte sie nie gestört, dass sie eine Sklavin war, sie liebte die Arbeit mit den Tieren und sie konnte mit ihrem Vater und ihrer Schwester in Frieden leben. Es war ihr immer genug und hatten ihre Eltern sie nicht Genügsamkeit gelehrt? Wieso wollte sie jetzt mehr? J’aque war frei, war es das? War sie neidisch? Er hatte ganz andere Möglichkeiten als sie, Möglichkeiten, die sie niemals haben würde. Sie würde niemals reisen dürfen wohin sie will und niemals ein eigenes Haus haben. Nehrina erinnerte sich an die vergangene Nacht, an diese Kraft, die sie in sich gespürt hatte. Ob diese Kraft auch ausreichen würde, um wegzulaufen? Doch was würde aus ihrem Vater und ihrer Schwester werden? Der Gedanke an ihren Vater versetzte ihr einen Stich. Wieso sprach er nicht mit ihr? Es war doch eine fantastische Leistung, die sie gestern vollbracht hatte. Sie konnte sich mit J’aque ausgezeichnet gegen die Feinde verteidigen. Feinde. Wer waren diese Männer überhaupt gewesen und wieso wollten sie für J’aque ein Kopfgeld haben? Nehrina vergrub das Gesicht in den Händen. Ihr Kopf schmerzte, doch die Gedanken hörten nicht auf auf sie ein zu prasseln. Sie zitterte am ganzen Leib. Sie wollte frei sein, um jeden Preis. Ihr Herz schlug wild, als wolle es sich selbst aus ihrer Brust befreien wollen. Was würde passieren, wenn sie den Hof verlassen müsste? Nie hatte sie über so etwas nachgedacht, doch es war nur allzu realistisch. Sie war nur ein Gegenstand, nichts von Bedeutung. Ohne den Stallmeister würde der nächste kommen, der einen Anspruch auf Besitz geltend machen, sie erwerben wird. Nehrina hob den Kopf und schloss die tränenreichen Augen. Sie fühlte sich hilflos und unendlich einsam. 

Den gesamten restlichen Tag verharrte sie dort. Während dieser Zeit hatte sie niemand mehr besucht, auch J’aque war nicht wieder zurückgekehrt. Als die Sonne unterzugehen schien, fand ihr Vater sie schließlich. “Die Arbeit ist noch nicht getan.” Es war eine Aufforderung und Feststellung zugleich. Langsam und ohne ihn anzusehen stand Nehrina auf. “Geschlafen wird erst nach der Arbeit. Da Nehrina sich entschlossen hat das gesamte Geschäft aufzuhalten ,wird sie auch die Tiere in den Stall bringen, während die anderen essen.” Er verschränkte die Arme und sah sie streng an. “Träumer verlieren früh ihr Leben”, sagte er bitter und verschwand dann wieder. Nehrina nahm mit zitternden Händen die Mistgabel und machte sich an die Arbeit. Seltsamerweise tat ihr Körper ihr nicht mehr weh, dafür schien bei jeder Bewegung die Verzweiflung sich tiefer in sie hinein zu graben.

Es war schon seit Stunden dunkel, als Nehrina mit der Arbeit fertig war und auch das letzte Tier in den Stall gebracht hatte. An diesem Tag legte sie sich mit einem Gefühl der Leere ins Stroh, das sich in ihren Träumen in ihr Herz grub und Angst zu säen begann.

 

An den folgenden Tagen ging Nehrina schweigend ihrer Arbeit nach. Ihr Vater suchte weiterhin nicht das Gespräch zu ihr und auch jeder andere Khajiit schien sie zu meiden. J’aque ließ sich ebenfalls nicht blicken. Weil er mich vergessen hat, dachte sich Nehrina traurig. Sie hatte ihn abgewiesen und er war gegangen. Vielleicht befand er sich nicht einmal mehr in Vvardenfell. Das erschien ihr auch nur allzu logisch nachdem er bereits angegriffen wurde. Mit jedem Tag wurde Nehrina betrübter und lethargischer. Irgendwann geisterte sie über den Hof, als hätten die Dwemer selbst sie erschaffen. Wortkarg und mit mechanischen Schritten arbeitete sie tagein tagaus. Sie hatte die Hoffnung, dass J’aque zu ihr kommen würde, sie irgendwie erretten oder das irgendetwas anderes passieren würde, doch nichts geschah. Nach einer Woche der Monotonie kehrte die Aufregung auf den Hof zurück. Zmaugha war zurückgekehrt und mit ernstem Gesicht in das Haus des Stallmeisters getreten. J’aque schien sie nicht begleitet zu haben. Wut und Traurigkeit ergriffen Nehrina und sie zog sich in die Ställe zurück, um dort alleine zu arbeiten, doch ihr Versuch Zmaugha aus dem Weg zu gehen scheiterte und so stand diese in der Tür und beobachtete Nehrina eine zeitlang schweigend bei der Arbeit. Irgendwann gab Nehrina es auf so zu tun, als würde sie die Argonierin nicht bemerken. “Kann diese Euch helfen?”, fragte sie ein wenig zu ruppig. Die alte Echse schien sich daran allerdings nicht zu stören. Sie lächelte sanft und trat vor. “Ich soll euch etwas überbringen.” Überrascht nahm Nehrina ein Bündel entgegen. “Du solltest über deine nächsten Schritte gut nachdenken.” Zmaugha ging zurück zur Tür, sah noch einmal über die Schulter und verschwand dann wieder. Nehrina entfaltete das Bündel. Es war eine Lederkluft und eine dazugehörige Kopfbedeckung mit Mundschutz. Fragen explodierten in ihr und sie rannte Zmaugha nach, doch als sie draußen auf der Wiese stand, sah sie die alte Argonierin bereits auf einem Bären davon reiten. Nachdenklich musterte Nehrina die Kleidung und ging zurück in die Scheune. Was hatte das zu bedeuten? Vorsichtig verbarg sie die Kleidung an ihrem Schlafplatz und ging hinaus um ihre Arbeit zu beenden, bemüht sich nichts anmerken zu lassen. Erst bei Einbruch der Dunkelheit wagte sie es zurückzukehren, um sich die Stücke genauer anzusehen. Vorsichtig sah sie sich um, bevor sie die Tür zur Scheune schloss. Was sollte sie mit der Kleidung? Für die Arbeit war sie zu kostbar und vermutlich auf Dauer auch zu warm und unbequem. Davon abgesehen konnte sie als Sklavin nicht solche Kleidung tragen. Das würde nur Fragen aufwerfen. Nehrina sah an sich runter und betrachtete die schmutzige Leinenkleidung. Die Bezeichnung Fetzen würden in dem Fall deutlich besser passen. Plötzlich fühlte sie sich unwohl, als würde ihr eigenes Fell nicht mehr passen. Sie beschloss baden zu gehen und ging hinunter zum Strand und wusch sich von Kopf bis Fuß. Unter all dem Dreck kam ihr Streifenmuster zum Vorschein, das sich sanft durch ihr braunes Fell wand. Nehrina schwamm ein paar Züge und genoss das kühle Nass. Nach dem Bad zog sie die neue Kleidung an. Sie fühlte sich ungewohnt an, aber irgendwie auch fantastisch. Sie passte perfekt. Langsam zog Nehrina die Kopfbedeckung an und zog den Mundschutz über das Gesicht. Es war seltsam derart verhüllt zu sein. Sie sah an sich runter, die dunkle Kleidung zeichnete sich von dem Schwarz der Nacht kaum ab. Es war als wäre sie mit ihr verschmolzen, wie ein Dieb oder ein Assassine. Der Vergleich rührte etwas in ihr und nachdenklich sah sie zum Hof und ließ ihren Blick bis nach Vivec schweifen. Sie war verhüllt und in der Dunkelheit nicht leicht auszumachen. Niemand würde sie erkennen. Was wäre, wenn….. ? 

Nehrina nahm ihre Kleidung und rannte zum Hof zurück. Ihr Kopf war leer gefegt. Eilig stopfte sie ihre alte Kleidung in das Stroh und hastete wieder hinaus. Es fiel ihr äußerst schwer sich ruhig zu verhalten, schlug doch alleine ihr Herz laut genug, um ganz Vvardenfell zu wecken. Nehrina wagte es nicht, sich einen Guar oder ein Pferd aus dem Stall zu holen, zu groß war das Risiko, dass dies die anderen Bewohner wecken könnte. Also entschied sie sich zu Fuß nach Vivec zu gehen. Keuchend eilte sie den Weg entlang, nur ein Ziel vor Augen. Vor der Stadt hielt sie kurz inne, um verschnaufen zu können. Sie machte sich Sorgen, dass sie nicht in die Stadt gelassen werden würde, doch die Stadtwache ließ sie bereitwillig passieren, die Horden von Reisenden hatten sie abgestumpft und sie störten sich schon lange nicht mehr an vermummten Gestalten. Der Marktplatz wirkte wie ausgestorben. Wo zuvor noch reges Gedränge herrschte, war nun niemand mehr zu erblicken. Nehrina genoss es über den Marktplatz zu schlendern ohne dass ihr jemand in die Quere kommen konnte, doch sie hatte nicht die Zeit, um lange zu verweilen. Ihr Ziel waren die künstlichen Inseln von Vivec. Beinahe ehrfürchtig wandelte sie auf ihnen und hielt Ausschau nach einer Karte oder ähnlichem. Leider fand sie nichts davon und musste einen Wachtposten nach dem Weg fragen. “Verzeiht, doch wo befindet sich Saint Delyn?” Sie versuchte nicht allzu nervös zu sein und so lässig wie möglich zu wirken. Offenbar gelang es ihr nicht besonders gut, denn der Wachtposten beäugte sie skeptisch. Zögernd sagte er: “In dem Gebäude hinter mir, obere Etage.” Nehrina bedankte sich und versuchte so unauffällig wie möglich das Gebäude zu betreten, wohlwissend, dass die Wache sie nicht aus dem Auge lassen würde bis sie aus seinem Blickfeld verschwunden sein würde. Leider wirkten die Gänge des Hauses beinahe wie ein Labyrinth. Es war furchtbar schwierig das Apartment zu finden. Beinahe hätte es Nehrina aufgegeben, da fand sie es. Vor der Tür war der Schrieb angebracht, der die kostenlose Wohnung bewarb. Nehrina blieb vor der Tür stehen und betrachtete sie eindringlich, als würde sie sich von selbst öffnen. Sie hatte diese fixe Idee, dass sie ihre neue Kleidung erhalten hatte, um damit nachts unbemerkt verschwinden zu können. War es eine Art Nachricht von J’aque? Es war seltsam hier zu stehen, Nehrina verließ den Hof nur äußerst selten. Sie fühlte sich beobachtet, obwohl der Gang leer war und ein mulmiges Gefühl blieb trotz der großen Freude bestehen. Sie hatte viel riskiert um her zu kommen. Plötzlich beschlich sie der Gedanke, dass J’aque vielleicht im Moment gar nicht mehr da war oder dass die Kleidung eigentlich ein Abschiedsgeschenk und keine Einladung darstellte. Vielleicht war der Raum hinter der Tür nicht nur wegen der fehlenden Möbelstücke leer, sondern auch, weil J’aque bereits abgereist war. Nehrina schüttelte den Kopf. Wenn sie nur vor der Tür stehen würde, würde sie es niemals erfahren. Sie hob den Arm und klopfte an. Nichts passierte. Nehrina hielt den Atem an, als sie feststellte, dass sie ihr Leben wohl für einen Irrglauben riskiert hatte. Sie wandte sich zum gehen, als die Tür plötzlich doch noch aufging. Es war ein seltsames Gefühl für sie J’aque’s Erscheinung in der Tür stehen zu sehen. Er hatte seine Rüstung abgelegt und trug lediglich eine Hose. Sein Messergürtel war verschwunden, hatte zuvor aber eines herausgenommen und hielt es nun in der Hand. Misstrauisch sah er Nehrina an. Diese nahm die Kapuze und den Mundschutz ab und sah ihn etwas fassungslos an. Er ist noch immer da, dachte sie und der Gedanke breitete sich in ihr aus wie ein Lauffeuer. J’aques Gesicht erhellte sich bei ihrem Anblick. “Kommt rein!”, sagte er sichtlich nervös und ließ sie eintreten. Für ein unmöbliertes Zimmer war es ziemlich gemütlich. J’aque hatte ein Bett und ein Bücherregal. Zwei Fackeln warfen karges Licht in den Raum. J’aque schloss die Tür und sagte nichts. Er wirkte ein wenig sprachlos. “Danke für Euer Geschenk.” Nehrina sah an sich herunter. Als sie aufsah, blickte sie jedoch in J’aques verdutztes Gesicht. Eine peinliche Stille erfüllt den Raum, doch dann begann J’aque verschmitzt zu grinsen. “Dieser hat es Euch nicht geschenkt.” Nehrina war verwirrt. “Aber….”, begann sie und dachte dann nach. “Oh”, machte sie, als sie verstand, dass hier eine Argonierin die Hauptverdächtige war. Verunsicherung machte sich in ihr breit. Hätte sie nicht kommen sollen? Sie schob den Gedanken beiseite. Sie musste ihm dringend etwas mitteilen. “Diese wollte Euch um Verzeihung bitten. Sie hätte euch begleitet, wenn die Umstände es zugelassen hätten.” Unangenehm berührt löste sie den Blickkontakt und sah sich in dem Zimmer um, während sie weitersprach. “Diese ist nicht wütend über die Schwierigkeiten in die sie hineingeraten ist. Sie ….” Nehrina hielt inne und sah ihn dann entschlossen an. “Ihr habt alles verändert. Diese möchte mehr als nur träumen und wünschte, sie hätte sich entscheiden können Euch zu begleiten. Sie hat immer von Abenteuern geträumt und nun, da ihr Leben selbst abenteuerlicher ist, möchte sie, dass es nicht mehr aufhört. Nehrina hatte zum ersten Mal das Gefühl … selbstbestimmt zu sein. ” Wieder hörte sie auf zu sprechen, doch J’aque schwieg und gab ihr die Zeit, die sie brauchte, um sich zu sammeln. Er schien ihr nicht erneut Vorwürfe machen zu wollen, wirkte sogar eher beschämt, dass er sie derart schroff auf ihre Lebensumstände angesprochen hatte. Sie wollte ihm erzählen, dass sie keine Sklavin mehr sein möchte, dass sie eines Tages genau wie er eine Abenteurerin sein würde. Es gab so viel, was sie ihm sagen wollte, doch sie konnte nicht. Zaghaft legte sie die Kralle auf seine Brust. Sein Fell war warm und etwas feucht vom Schweiß, der wohl das Resultat vom Tragen der Rüstung war. Nehrina sah J’aque fest in die Augen, der sie ein wenig überrascht ansah und wirkte, als würde er jeden Moment zurückweichen. Doch er tat es nicht und so sagte Nehrina: “Diese fühlt sich mit Euch verbunden und könnte niemals Verachtung empfinden.” Sie nahm die Hand zurück und für einen kurzen Moment war es ihr so, als hätte sein Herz merklich gegen ihre Handfläche geschlagen. “Bitte teilt dieser mit, falls Ihr euch entschließt abzureisen. Diese wäre unendlich traurig, wenn sie sich nicht verabschieden könnte.” J’aque nickte und brach sein Schweigen. “Das wird dieser gerne für Euch tun.” Er sah sich plötzlich peinlich berührt im Zimmer um und sagte dann rasch: “Verzeiht, dass dieser Euch weder etwas zu trinken oder essen anbieten kann und auch Sitzmöglichkeiten sind keine vorhanden.” Er blickte sie entschuldigend an, doch Nehrina, die sich fühlte, als wäre ein Teil ihrer Last von ihr gefallen setzte sich ohne Umschweife aufs Bett. Langsam wippte sie selig vor und zurück und betrachtete  das Kissen und die Decke. J’aque beobachtete sie. “Diese schläft in der Scheune”, sagte sie, als müsste sie eine Entschuldigung für den neugierigen und sehnsüchtigen Blick hergeben. J’aque lächelte nachsichtig. “Solange Ihr nicht einschlaft, könnt Ihr ruhig dort sitzen bleiben.” Er legte das Messer weg, zog sich ein einfaches Hemd über und setzte sich zu ihren Füßen. Nehrina betrachtete die Narbe, die über J’aques Auge verlief. “Wohin werdet Ihr als nächstes gehen?”, fragte sie langsam. “Nach Elsweyr. Zurück in die Heimat.” Langsam nickte sie. Elsweyr war die Heimat der Khajiit und trotzdem war Nehrina niemals dort gewesen. Gab es überhaupt ein Leben vor dem Hof? Alles kam ihr so unwirklich vor. “Vielleicht könnt Ihr diesen eines Tages besuchen kommen. Dieser würde sich sehr über mehr von diesem köstlichen Kuchen freuen.” Er versuchte zu lächeln, doch der Kummer, der in seinen Worten lag verschwand dadurch nicht. Nehrina sah auf ihre Krallen hinab, die in ihrem Schoß lagen. “Sicher.” Stille trat ein. Nach Elsweyr reisen… Die Worte ihres Vaters erklangen in ihrem Kopf. Träumer verlieren früh ihr Leben. “Diese sollte gehen, bevor ihr Verschwinden auffällt.” Ihre Worte wirkten wie eine Ankündigung. Alles in ihr wollte fliehen. Fliehen vor ihren Gefühlen und vor der Hoffnung, die in ihr Wurzeln schlug. J’aque nickte langsam. “Dieser begleitet Euch.” Er stand auf und führte Nehrina hinaus. Der Wachtposten war verschwunden und so kamen die beiden ungesehen aus der Stadt. “Von hier schafft diese es auch alleine.” J’aque schüttelte nur den Kopf. “Dieser lässt Euch nicht alleine gehen.” Sein Lächeln war warm und freundlich und ehe sie protestieren konnte, führte er eine Bewegung mit den Händen aus, die komplizierter als die Zauber bei ihrer letzten Begegnung war. Er sprach Worte, die Nehrina nicht verstand und plötzlich tauche mit einem Brüllen ein brauner Bär auf. Nehrina schrak zurück. Auf seinem Hinterbein prangte dasselbe Symbol wie bei dem Bären von Zmaugha. “Er wird Nehrina nach Hause bringen.” Ein bisschen Stolz lag in seiner Stimme. Vorsichtig setzte sich Nehrina auf den Bären. Er wirkte wie aus Fleisch und Blut. “Helle Monde! Ein richtiger Bär”, staunte sie und strahlte J’aque an. “Wir werden uns wiedersehen, Kätzchen.” Es war kein Abschied, sondern ein Versprechen. Mit einem Wink setzte sich der Bär in Bewegung und trug Nehrina zurück zum Hof, wo noch alle schliefen und es nicht den Anschein machte, als hätte man ihr Verschwinden bemerkt. Nehrina fühlte sich, als würde sie schweben und das lag gewiss nicht an dem Bären, der sie behutsam auf seinem Rücken trug, während sie sich glücklich in sein Fell kuschelte. Erschöpft zog sich Nehrina im Stall um und ließ sich ins Stroh fallen. Obwohl die Begegnung eher seltsam und verkrampft war, konnte sie sich eines Grinsens nicht erwehren. Ihr Herz pochte zufrieden in ihrer Brust, trug sie in den Schlaf und stürzte sie hinein in Träume voller Hoffnung und Zärtlichkeit.