Dunkle Schatten und helle Monde

Auf dem Rückweg dachte Nehrina lange über die Begegnung mit dem Reisenden nach. Wer waren wohl diese Fremden, die ihn bedroht hatten und von welchem Ärger hatten sie gesprochen? Sie konnte sich keinen Reim darauf machen, hatte aber auch nicht den Eindruck, dass der Reisende ein unehrlicher Khajiit sei. Wie konnte so jemand an irgendwelche Raufbolde geraten? Als Nehrina den Guar von dem Geschirr befreite und dieses verstaute, war sie noch immer in ihren Gedanken versunken. Was wäre wenn sie sich täuschen würde und der Reisende gefährlich ist? Andererseits hatte er schon oft genug die Gelegenheit gehabt sie anzugreifen. Nehrina schickte den Guar auf die Weide und schob den Wagen zurück in die Scheune. Den leeren Korb nahm sie mit zum Haus. Das Haus des Stallmeisters war zwar schlicht, für Nehrina, die im Stroh schlafen musste, glich es jedoch einem kleinen Palast. Es muss wundervoll sein ein eigenes Zimmer und ein eigenes Bett zu besitzen, dachte sie sich. Als Nehrina eintrat befanden sich zu ihrer Überraschung ungewöhnliche viele Personen in der Wohnstube. Ihre Schwester Vanra war in der Küche zu hören, wo sie offenbar das Essen zubereitete. In der Mitte des Raumes saß der Stallmeister auf einem hübschen Sessel und neben ihm, ebenfalls in einem Sessel, eine fremde Argonierin. Zwischen ihnen standen Teetassen auf einem kleinen Tischchen. Moraskas lehnte an einem Bücherregal, das vollgestopft war mit Büchern über Aufzucht und Pflege von diversen Reittieren. Er blickte mit finsterem Blick zur Decke und Nehrina hoffte, dass die Stimmung nicht ihr galt, ahnte allerdings, dass es hier um weitaus mehr ging, was sie nicht weniger beunruhigte. Um den Stallmeister und die Argonierin tollte ein kleiner Bär mit blauer Musterung im Fell, der gelegentlich an den ein oder anderen Einrichtungsgegenstand rempelte. Ein grauer, großer Bär saß neben der Argonierin und blickte stumm umher. Er wirkte wie nicht von dieser Welt. Auf seinem Leib prangte ein leuchtendes Symbol in Form einer Bärentatze.  Leise ging Nehrina in die Küche und stellte den Korb auf die Anrichte. Vanra sah sie an und lächelte, doch ihr Lächeln war nicht so süß und unbekümmert wie noch am Morgen. Nehrina wollte gerade fragen, was vorgefallen sei, da hörte sie schon ihren Namen. “Nehrina. Komm bitte zu uns.” Gehorsam ging sie zurück in die Wohnstube und trat vor den Stallmeister, denn es war seine Stimme, die sie gerufen hatte. Der Dunkelelf sah erschöpft aus. “Du hast mitbekommen, dass wir gestern… “ Er zögerte. “Besuch hatten.” Nehrina setzte sich auf den Boden und blickte zum Stallmeister empor. Sie schwieg. Der Dunkelelf räusperte sich und fuhr fort: “Der Hintergrund ist eine Anordnung, die besagt, dass nur noch Pferde als Reittiere verkauft werden dürfen und keine Guars. Wir sind zwar befugt sie zu halten, aber ein Verkauf an Reisende ist nicht mehr möglich.” Moraskas schloss die Augen, die Lippen fest zusammengepresst. “Diese versteht nicht…”, begann Nehrina, doch ihr blieben die Worte im Hals stecken. Was hatte das bloß zu bedeuten? Guars brachten deutlich mehr Gold für den Hof ein und bildeten den Hauptverdienst. Viele andere Reittiere waren schwer zu halten, sodass Guars vor allem für kleine Höfe, die unerfahrene Sklaven hielten, unabdingbar waren. Pferde stellten lediglich einen kleinen Anteil des Reittierverkaufs bilden. Das wäre fatal für viele Höfe und würde sie dazu zwingen andere Dienstleistungen anzubieten. Der Stallmeister machte eine Handbewegung zu der Argonierin. “Das ist Zmaugha. Sie hat für Vvardenfell bereits große Dienste geleistet und ist auch bereit uns zu helfen.” Er sah sie beinahe ehrfürchtig an. “Sie ist unsere letzte Chance den Adel davon zu überzeugen, dass die Guarzucht essentiell für uns ist. Bisher habe ich noch keine anständige Begründung erhalten, wieso dieses Verbot ausgesprochen wurde.” Die Argonierin, die bisher geschwiegen hatte, nickte nun und sagte: “Ich werde mein möglichstes tun.” Ihre Stimme war rau und angenehm, wie ein Flüstern im Wald. Zmaugha schien bereits fortgeschrittenen Alters zu sein, denn auch wenn Nehrina nicht häufig Argonier zu Gesicht bekam, so waren ihre Schuppen deutlich zerfurchter und heller als bei den vielen Reisenden, die Nehrina in Vivec ein und aus gehen sah. Zmaugha hob mit dürren Händen die Teetasse an die Lippen und trank einen Schluck. Sie trug ein khajiitisches, traditionelles Gewand, das mit den Farben allerdings so gut mit ihren Schuppen harmonierte, als hätte man es eigens für sie angefertigt. “Ich habe ohnehin in Vivec zu tun, da ich einen neuen Schüler in meine Obhut gebracht habe und ihn in meine Magie einführen werde. In der Zeit werde ich Gespräche führen und hoffen, dass ich etwas für euch tun kann.” Zmaugha sah in die Runde, ihre milden und klugen Augen blieben auf Nehrina ruhen, die sich immer noch fühlte, als wäre ihr Hals zugeschnürt. Der Stallmeister räusperte sich. “Ihr habt noch viel zu tun, bevor es Essen gibt. Geht wie gewohnt an eure Arbeit und versucht nicht daran zu denken.Ich wollte euch nur darüber informieren, vor allem, da die Gerüchte über diese Angelegenheit bereits laut geworden sind.” Er blickte gequält drein, so als müsste er sich selbst in die Arbeit stürzen, um keinen Gefühlsausbruch zu erleiden. Nehrina spürte die Krallen ihres Vaters auf der Schulte und ließ sich von ihm aufhelfen. Schweigend gingen sie gemeinsam hinaus. Nehrina blickte zu ihrer Schwester, die in der Küchentür stand und die Ohren hängen ließ. Als die Haustür aufgestoßen wurde, überkam Nehrina ein kalter Schauer, als würde ein Schritt hinaus für sie bedeuten, dass sie in eine ungewisse Zukunft einwilligte. Was würde mit ihr und den anderen Khajiits passieren, wenn man sie nicht mehr brauchte? Ihr kam es vor, als wolle man sie nicht nur über die Umstände informieren, sondern auch auf ein Ende vorbereiten. Nehrina atmete schwer und die Arbeit gelang ihr heute überhaupt nicht. Normalerweise konnte sie sich nicht auf die Arbeit konzentrieren, weil sie sich energiegeladen und abenteuerlustig fühlte. Weil sie lieber einen Guar satteln würde, um zum Horizont aufzubrechen oder weil sie das Gefühl hatte, dass sie explodieren würde, wenn sie nicht besenschwingend und singend über den Hof tanzen wird. Heute allerdings fühlte sie sich, als würde ihr Herz in den Boden versinken, als würde es sich eingraben und nur darauf warten, dass das Unheil über Nehrinas Welt einbrechen wird. Es kostete sie viel Kraft, um nicht in Tränen auszubrechen und aus einer Resignation heraus schaffte sie es monoton und eintönig ihrer Arbeit nachzugehen, um zu vergessen dass sie eigentlich verzweifelt sein sollte. 

Nehrina hatte ihre Arbeit für heute erledigt, die Tiere waren versorgt und in ihren Ställen. Sie saß auf dem Scheunendach und blickte zu den Sternen empor. Auf ihrem Schoß saß ein Zwergguar, der es ihr gleich tat und sich geduldig streicheln ließ. Ein dumpfes Geräusch kündigte Moraskas an, der sich elegant auf das Dach geschwungen hatte. Er gesellte sich zu Nehrina und blickte ebenfalls in den Sternenhimmel. Eine Weile schwiegen die beiden sich an. “Falas. Was wird nur aus uns, wenn die Argonierin scheitert?” Sie wagte es nicht ihren Vater anzublicken. “Wir werden gehen.” Es klang trocken, mutig und schicksalsergeben zugleich. Nehrina schluckte und schwieg. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus, als sie darüber nachdachte. Wohin würden sie gehen? Würde jemand anderes sie in Besitz nehmen? Nehrina hatte von ihrem Vater oft gehört, wie die Telvanni mit Khajiits umgehen. Mochte sein, dass sie auch auf diesem Hof eine Sklavin ist, doch die Behandlung würde einen großen Unterschied machen. Am Ende würde sie vielleicht in einer Miene verenden. Dieser Gedanke war für sie trostlos und schier unerträglich. Nehrina blickte auf den Guar hinunter, der sich in ihrem Schoß eingerollt hatte. Sanft streichelte sie über den kleinen Leib. Nein. Entschlossen blickte sie zu den Monden empor. Falls sie den Hof verlassen würde, beschloss sie, würde sie eine Abenteurerin werden, was auch immer es kosten möge. Als Sklavin zu sterben kam für sie nicht in Frage. Trotz machte sich in ihr breit und vertrieb die Traurigkeit. Ihr Vater schien dies zu spüren, denn er legte den Arm um sie und küsste sie auf die Stirn. “Egal was passiert, dieser wird nicht zulassen, dass jemand seinen Töchtern etwas antut.” Nehrina schmiegte sich an ihn, froh darum, dass er versuchte ihr die Angst zu nehmen. Schweigend saßen sie beide dort, Vater und Tochter in einer innigen Umarmung, jeder in seinen eigenen grausamen Gedanken gefangen, während der Himmel unbekümmert in seinen schönsten Farben erstrahlte. 

Die Stille der Nacht hatte sich über den Hof gelegt. Nehrina hatte trotz der Gefühle, die sie immer wieder zu überwältigen schienen, in den Schlaf gefunden. Neben ihr schlief Vanra, was vermutlich ebenfalls ein Grund dafür war, dass Nehrina endlich Ruhe finden konnte. Sie hatten sich lange über die Geschehnisse des Tages unterhalten. Auch wenn die beiden Schwestern unterschiedlich waren wie Tag und Nacht, so verband sie doch ein inniges Band, das vor allem in der Not sehr stark war.

Ein leises Rascheln fraß sich durch die Stille und bewegte sich die Straße entlang. Plötzlich ertönte ein lauter Knall und Nehrina schrak aus dem Schlaf. Mit pochendem Herzen setzte sie sich auf und blickte umher. Alles war ruhig. Vanra schlief leise und friedlich neben ihr. Nehrina glaubte schon, dass sie das Geräusch nur geträumt hatte, doch dann hörte sie ein Scheppern, gefolgt von Stimmen. Eine leise Vorahnung in ihr sprach ihre Sorgen aus. Vielleicht würde man sie jetzt schon an ihren neuen Besitzer übergeben – mitten in der Nacht, damit sie nicht davonlaufen würde. Nehrina schüttelte den Kopf und versuchte sich zu beruhigen. Sie atmete tief durch und stand so leise wie möglich auf. Beinahe lautlos schleichte sie zur Tür und öffnete sie. Langsam steckte sie den Kopf heraus und blickte sich auf dem Hof um. Es war nichts zu sehen. Ein Klirren als würde Metall auf Metall schlagen zerriss die Nacht. Nehrina stellte die Ohren auf und horchte gebannt. Die Geräusche kamen von der Rückseite des Stalles. Verschmolzen mit den Schatten der Nacht huschte sie um das Gebäude herum und versteckte sich zwischen ein paar Heuballen, die ordentlich übereinander gestapelt hinter der Scheune lagen. Fackeln ließen die Schatten über das Gras tanzen. Nehrina wagte sich weder zu atmen, noch sich zu zeigen. Die Stimmen erklangen und erinnerten sie an ein bekanntes Szenario. “Du kannst wohl nicht hören, wie?” Es war die Stimme des Mannes, der auf dem Markt den Reisenden bedroht hatte. Neugierig blickte Nehrina an den Heuballen vorbei, um das Geschehen besser verfolgen zu können. Es war tatsächlich ein Ork, der nun mit verschränkten Armen bedrohlich zu dem Reisenden hinunter blickte. Sein Freund, der nicht weniger groß war, hatte ein Schwert gezückt und richtete es auf den schwarzen Khajiit. Dieser war ebenfalls bewaffnet, jedoch trug er seinen neuen metallenen Begleiter nutzlos auf dem Rücken. Es handelte sich um ein großes Zweihandschwert, dass beinahe so groß war wie Nehrina selbst. Wäre der Khajiit nicht etwas muskulöser als sie, hätte sie ihm nicht zugetraut die Waffe auch nur aus der Schwertscheide ziehen zu können.. “Verschwindet.” Der Reisende reckte das Kinn nach vorne. “Dieser hat nichts getan und Ihr habt nicht das Recht diesen anzugreifen.” Lachen schallte durch die Nacht und eine dritte Person drängte sich in Nehrinas Blickfeld. “Ich brauche das Recht nicht auf meiner Seite, um dich zu töten, elendes Tier.” Er ging einen Schritt auf den Abenteurer zu und nahm die Axt vom Gürtel. Unruhig ließ der Khajiit die Hand an den Gürtel gleiten, doch er kam nicht dazu sein Messer zu zücken. “Wag es dich nicht”, sprach nun der Schwertträger. Er lachte niederträchtig, als habe er den ganzen Tag nur darauf gewartet, dass der Abenteurer nicht auf sie hören würde und es noch einmal wagen würde ihnen über den Weg zu laufen. Nehrina wurde zunehmend nervös. Was sollte sie tun? Hilfe holen? Sie blickte sich um, doch es war nichts zu finden, dass sie hätte als Waffe nutzen können. Sie kroch aus ihrem Versteck, um zurück  zur Scheune zu gelangen, doch als sie gerade hinter dem Heu hervorkam, packte sie auch schon jemand am Kragen. “Wen haben wir denn da?” Ein Dunkelelf betrachtete sie eingehend, bevor er Nehrina zu den anderen Gestalten schleifte. “Die vermehren sich wie eine Seuche!” Angewidert stieß er sie zu Boden. Hart schlug sie auf der kalten Erde auf, sodass ihr die Luft wegblieb. “Eine Sklavin”, bemerkte der Ork. “Ich habe sie bereits häufiger bei den Ställen gesehen. Sie arbeitet hier.” Nehrina wusste nicht, wie sie seinen Blick deuten sollte. Beschämt schlug sie die Augen nieder. “Lasst sie gehen, ihr wollt doch nur diesen. Sie bringt euch kein Unglück, aber wenn dieser bleibt schon. Diesen verfolgen sie und dann verfolgen sie euch!” Nehrina wagte es nicht zu dem Abenteurer aufzublicken, der versuchte sie zu verteidigen. Aus seiner sonst so ruhigen Stimme war ein leichtes Zittern der Verzweiflung zu vernehmen. “Herzallerliebst.”, sagte der Dunkelelf und einer der Männer spuckte aus. “Wir nehmen sie beide mit und übergeben sie. Vielleicht bekommen wir für beide eine höhere Summe.” Nehrina blickte ihn entsetzt an, doch der Dunkelelf, der offenbar der Kopf der Bande war, schüttelte den Kopf. “Nein, nur auf ihn ist eine Belohnung ausgesetzt. Tötet die Sklavin, wir brauchen keine Zeugen.” Nehrina blieb beinahe das Herz stehen. Der Ork nickte und begann den Abenteurer grob am Arm zu packen, um ihn fesseln zu können. Mit Entsetzen sah Nehrina zu, während sie spürte, wie das drohende Urteil sie bereits umschloss. Nein. Nehrina blickte zum Himmel, den sie vor einigen Stunden noch mit ihrem Vater betrachtet hatte. Das Gefühl, dass sie bereits auf dem Scheunendach in sich trug, breitete sich in ihr aus. Nein. Sie würde nicht als Sklavin sterben. Niemals! Die Männer hatten sich von ihr abgewandt, beschäftigt damit den schwarzen Khajiit zu bändigen, der sich fauchend zur Wehr setzte. Lediglich der Dunkelelf hatte seinen Blick auf das gesamte Geschehen gerichtet. Ein unheimliches Gefühl machte sich in Nehrina breit. Es war als hätte man sie in kaltes Wasser gestoßen. Sie war wach, alles erschien ihr so klar wie nie zuvor. Ohne auch nur selbst zu erahnen, was sie vorhatte, sprang sie auf und stieß den Dunkelelf zurück. Überraschung flackerte in seinem Gesicht auf, doch verschwand sogleich, als er mit einem lauten Krachen gegen die Scheune schlug. Im Inneren waren unruhige Guars zu hören. Mit lautem Fauchen stürzte sich Nehrina bereits auf den nächsten und ließ ihre Krallen aufblitzen. Lichter wurden auf dem Hof entfacht. Offenbar hatte der Lärm nun auch die anderen Bewohner geweckt. Ohne auf Verstärkung zu warten legte sich Nehrina bereits mit dem Ork an. Dieser ließ sich jedoch nicht auf einen Kampf mit ihr ein, sondern stieß sie unbeeindruckt beiseite. Nehrina schaffte es nicht mit den Krallen seine Rüstung zu durchdringen und sein Gesicht war zu weit oben, um es zu erreichen. Mittlerweile war auch Moraskas und ein anderer Khajiit dazu gestoßen. “Wir verschwinden.” Der Dunkelelf hatte sich wieder aufgerafft und machte eine Bewegung mit den Händen. Ein Portal erschien und er stürzte hindurch. Der Ork und sein Begleiter schnappten sich den dritten, der sein blutendes Gesicht in den Händen verborgen hatte und eilten ihrem Anführer nach. Den Abenteurer ließen sie jedoch zurück. Seine Kleidung war zerrissen und er blutete am Ohr, hatte sich jedoch erfolgreich gegen die Fesseln wehren können, die nun nutzlos zu seinen Füßen lagen. Er keuchte schwer und sah der Truppe hinterher bis das magische Portal verschwand. “Was ist hier geschehen?” Moraskas sah von Nehrina zu dem Abenteurer und sein Blick verfinsterte sich. “Der dreckige Khajiit von gestern.” Er bleckte die Zähne. “In was hat er die Tochter von diesem herein gezogen?!” Die Fackel in der Hand drohend erhoben, stampfte er auf den Abenteurer zu. Dieser hob abwehrend die Hände und schüttelte den Kopf. “Ihr versteht die Situation falsch. Eure Tochter hat diesen gerettet.” Moraskas hielt inne und sah erstaunt zu Nehrina, die sich unter dem Blick ihres Vater wand. Das Gefühl war aus ihrem Körper gewichen und wurde nun durch pochenden Schmerz verdrängt. Offenbar tat ihr so ziemlich alles weh, doch sie hatte lediglich kleine Schrammen und Prellungen davon getragen. “Sie war wirklich mutig und hat sich mit allen vier angelegt. Ohne sie wäre dieser vermutlich verschleppt worden.”, erklärte der Abenteurer beschwichtigend. Eine unangenehme Stille trat ein. “Wir sollten morgen darüber sprechen und nun schlafen gehen.” Die Stimme ihres Vaters war tonlos. Nehrina blickte auf, doch ihr Vater hatte sich bereits zum gehen gewandt. Besorgt legte sie die Ohren an. War er böse auf sie? Der Abenteurer trat an sie heran. “Mutiges Kätzchen”, sagte er sanft. Sie blickte ihn an und bemerkte, dass er ihr so nah wie nie zuvor war. Er stand weniger als eine Armlänge von ihr entfernt und sah ihr unverwandt in die Augen. Nehrina konnte ihren Blick nicht abwenden. Ihr Herz pochte laut, als hätte es sich zurück in den Kampf gestürzt. “Danke.” Er schloss kurz die Augen und brach damit den Bann. Nehrina fiel erst jetzt auf, dass sie aufgehört hatte zu atmen. “Der Name von diesem ist J’aque.” Er sah sie verstohlen an. Nehrina stand weiterhin bewegungslos da, überwältigt von den Ereignissen.“Pass auf dich auf, Kätzchen.” Er wich zurück und verschwand in der Dunkelheit. Nehrina schlang die Arme um ihren Körper. Sie bebte. Was für ein verrückter Tag mit verrückten Gefühlen. Ein Sturm von Emotionen brach auf sie ein und ließ sie wie angewurzelt stehen. Plötzlich empfand sie es nicht mehr beleidigend, wie er sie als Kätzchen bezeichnete. Es war beinahe eine vertrauensvolle Geste, dass er ihr einen Kosenamen gegeben hatte. J’aque. Ein eigenartiger Name für einen Khajiit, doch vermutlich ein passender Name für einen eigenartigen Khajiit. Was war da nur auf sie eingebrochen seit dem sie hinter die Fässer gesprungen war? Mutiges Kätzchen. Nehrina schloss die Augen und lächelte. Egal, was heute geschehen war, sie hatte der Welt gezeigt, dass in ihr eine Kämpferin schlummert und das würde sie auch in Zukunft niemanden vergessen lassen. Ihr Schicksal würde nicht länger das einer Sklavin sein, das schwor sie sich in diesem Moment und der Nachthimmel ließ die Farben auf ihrem Fell tanzen, als würde er sie zu ihrem Entschluss ermutigen wollen.